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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 18. Jul 2009 11:44 

hallo ihr lieben ,
ich habe eine frage an euch und zwar
wie erlebt ihr die zeit nach den ganzen behandlungen ?
ich habe während der ganzen behandlungs zeit , op, chemo, bestrahlung, nie geklagt oder änliches, hab das alles durchgemacht ohne groß zu diskutieren oder es zu nah am mich ran zu lassen
ich merke aber jetzt daß es doch irgendwelche spuren hinterlassen hat ,ich sehe das mich sachen leichter aus der fassung bringen und mich mehr aufregen als früher
ich kann teilweise recht zikkig sein was früher nie der fall war
entweder macht man sich nicht mehr die mühe immer so ruhig zu bleiben oder sind es die nerven ?
ich weiß es noch nicht genau , aber irgendwas läuft da anders...
was ist eure erfahrung ?
liebe grüße
arte2009 ao81


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 18. Jul 2009 12:12 

Liebe arte,

so wie ich im Moment drauf bin, würde ich sagen, dass das Zickig- Ungeduldig und Aufbrausendsein oder -werden eine gesunde Reaktion/Erfahrung auf die Erkrankung ist.

Wenn ich überlege, was und wieviel ich früher geschluckt habe!
Es ist eine interessante und manchmal auch etwas erschreckende Erfahrung für mich, aber ich fühle mich mehr als lebendig damit. Ich spüre eine Freiheit, meine Gefühle mehr auszuleben (noch längst nicht alle, da arbeite ich aber dran) die ich früher mit ganz vielen Reglementierungen und Bewertungen belegt und versteckt habe.

Es ist für mich eine neue Art von Bewusstheit, die ich annehme.
Mal schauen, was mir das Leben noch anzubieten hat und was ich mir davon nehmen werde.

Ich weiß, dass ich mich gerade sauwohl fühle und es zu anderen Zeiten gänzlich grausig ausgesehen hat.

Wie heißt es so richtig: Die Schönheit existiert immer nur im Auge des Betrachters.
Ich habe die Wahl, wie ich mich und meine Umwelt sehen will.

Letztes Jahr gab es für mich auch eine Zeit, wo ich aus dem Aktivismus von Wissenwollen, Gesprächen, Op's, Untersuchungen und Behandlungen, etc. mit einem Mal herausgespült wurde und dachte:
Und jetzt? Was mache ich jetzt? Wie soll es weitergehen?
Und mich neu organisieren musste.
Ich habe mich gefühlt, wie lädiert neugeboren und kam mit der neuen Welt nicht wirklich klar.

Jetzt, nach über einem Jahr, stehe ich an einem Punkt, wo ich glaube, dass es noch ganz spannend und aufregend in meinem Leben zugehen soll, wird.
Und das ich das gestalte.

Jede braucht ihren Weg und ihre Zeit, in der ganz eigenen persönlichen und individuellen Verfassung, mit der ganz eigenen Geschwindigkeit.
Und das ist richtig so.

Viel Freude.

LG
Ute


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 18. Jul 2009 12:32 

liebe Ute
vielen dank für deine antwort
ja das leben ist und bleibt spannend
herzliche grüße und alles gute weiterhin !!!
arte2009


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 18. Jul 2009 12:38 
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Liebe Ute, das hast du schön gesagt! Super.

Ich bin in vielen Dingen anders geworden, Arte. Ich denke mehr an mich, gehe nicht mehr so viele Kompromisse ein. Natürlich sind die Nerven angegriffen, das ist ja klar, nachdem das reine Nerven-und Zellgift in uns reingepumpt wurde. Daher passe ich besonders gut auf mich auf und versuche, meine Bedürfnisse zu erfüllen, soweit möglich. Während ich mich früher oft darüber hinweggesetzt habe. Ich versuche auch nicht mehr, den Erwartungen von anderen Menschen zu entsprechen, das ist mir nicht mehr so wichtig. Ich wurde durch die Diagnose sozusagen auf mich selbst zurückgeworfen und war ganz allein mit mir, jedenfalls fühlte es sich so an. Auch wenn mir andere Menschen nahe waren. Das ist mir so richtig klar geworden. Wir können nur Brücken bauen zu anderen Menschen, aber im Grunde sind wir immer allein, was nicht gleichzusetzen ist mit einsam. Wir sind nur vorübergehend auf der Welt und können NICHTS und NIEMANDEN mitnehmen. Und nichts ist so wichtig wie es scheint.

Was die lädierten Nerven betrifft: Ich habe z.B. große Schwierigkeiten mit den Füßen, bzw. mit dem Laufen durch die Polyneuropathie vom Docetaxel. Das regt mich oft auf. Wenn oft jeder Schritt zur Qual wird. Oder ich Schmerzen in der Brust habe vom LYmphödem. Und ich bin viel schneller erschöpft. Noch nach nunmehr 2 Jahren seit Diagnose. Die Behandlung war halt nicht zum Nulltarif zu haben. Aber wenn das alles ist, dann will ich zufrieden sein. Das Leben bleibt spannend wie ihr schon so treffend gesagt habt.

Liebe Grüße,
Kathi

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Du hast die Wahl. Du kannst dir Sorgen machen, bis du tot umfällst. Oder du kannst es vorziehen, das bisschen Ungewissheit zu genießen. Norman Mailer


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 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 18. Jul 2009 12:43 
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Hallo Arte,

Auch bei mir hat die Diagnose Spuren hinterlassen, so wie du sie beschreibst.
Ich bin teilweise dünnhäutiger xaiwebs_014x , teilweise sowas von dickhäutig. :mrgreen:
Es gibt die alte Astrid nicht mehr, ich kann es nicht ändern, will es auch oftmals nicht ändern, habe es akzeptiert.
Das Leben ist ein ständiger Fluß - wir verändern uns ständig. Nicht nur ich, auch die Menschen in meinem Umfeld. Das führte dazu, dass manche Wege sich leider getrennt haben. Doch ich habe auch neue Menschen kennengelernt habe, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Alles Liebe
Astrid

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 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 18. Jul 2009 13:44 

liebe kathi,liebe astrid danke für die antworten
ja das was du schreibst stimmt absolut , man kann durch das ganze nur alleine gehen auch wenn andere um einen herum sind und einem nahe sind
niemand kann das nachempfinden ( nur jemand der das selber durch hat ) und auch niemand kann es einem abnehmen
dennoch bin ich dankbar für die hilfe die ich von meinem umfeld hatte
ja und den erwartungen anderer kann und will ich auch nicht mehr entsprechen und erfüllen
man muss es sich selbst recht machen das ist das wichtigste
ich versuche auch seitdem mir immer das bestmöglichste gefühl zu geben , soweit es geht , es mir gut gehen zu lassen und immer wieder klar zu machen daß das allerwichtigste ist , das ich lebe, alles andere kann man regeln
man wertet dinge anders als zuvor
während der behandlungen dachte ich alle anderen menschen sind "blind" weil sie so viel nicht sehen , was wir sehen und fühlen durch dieses erlebniss
und
ja ich seh das auch an mir einerseits viel dünnhäutiger und total sensibel und andererseits sowas von dickhäutig und kalt ..
den menschen davor .... ich weiß nicht ein teil ist geblieben und ein anderer ist weg - es beginnt einfach ein neuer lebensabschnitt.


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 18. Jul 2009 21:50 

Hallo arte,
bei mir liegt die BK-Diagnose nun bereits 19 Jahre zurück, und mein Mann beklagt sich regelmäßig noch darüber, dass ich mich verändert hätte. "Immer geht es nur um Dich!"

Da sag ich doch nur: Bravo, ich bin nicht in meine alten Verhaltensweisen zurückgefallen.
Früher war ich sehr angepasst, für andere total pflegeleicht.
Das ist heute anders: Ich sage meine Meinung, auch wenn sie anderen nicht passt. Ich denke nicht mehr erst an die Anderen, sondern erst mal an mich.
Meine Gynäkologin ist begeistert, dass ich mich so verändert habe.

Die Veränderung fand insbesondere statt, nachdem ich vor 11 Jahren (nach einem Lokalrezidiv) eine Gesprächstherapie gemacht habe. Die wirkt bis heute nach - zum Glück.
Ich denke ganz oft an einen Ausspruch meines Therapeuten. Wenn ich ihm eine Situation schilderte, die mir nicht gefiel, dann sagte er immer: "Und warum haben Sie nichts gesagt????"

Schon ganz oft hatte ich Situationen, in denen mir diese Frage meines Psychologen durch den Kopf schoss und ich mich gegen irgendwelche Dinge, die mich störten, auflehnte.
Und das hat mich im Nachhinein immer richtig stolz gemacht.

Früher habe ich existiert - heute lebe ich!

Ich hoffe, ich habe das jetzt verständlich geschrieben. :???:

Sunshine


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 19. Jul 2009 10:41 

liebe sunshine ,
ich kann das gut nach empfinden
ich habe früher auch immer zu lang gewartet bin ich zb. gesagt hab was mich stört oder ich hab gar nichts gesagt bis das glas voll war und ich dann ziemlich radikal sein musste
das hat sich nun geändert , ich sage gleich was nicht geht , was ich nicht gut finde etc. und muss nicht immer nur freundlich und angepasst sein nur um des lieben frieden willens...
das zieht mit sich das man eben manchmal ne zicke ist , aber was soll s , irgendwie scheint das ja den anderen auch gut zu tun lol...
und ja warum soll man nicht zuerst an sich denken , wer soll sonst an uns denken ??;)
lieben gruß
arte2009 x039x


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 19. Jul 2009 11:54 
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hallo arte,

bei mir ist die OP nun bald viereinhalb jahre her.

ich muss sagen, eine der großen veränderungen für mich war, dass mir die endlichkeit des lebens so richtig bewusst wurde. das macht angst und ist auch traurig, andererseits hieß es auch, dass ich mir einen großen lebenstraum verwirklicht habe (eben unser kleines glücksschweinmuseum in wien zu eröffnen)

was mein verhältnis zu den anderen betrifft, so muss ich sagen, dass ich zwar mehr drauf schaue, was ich möchte und mit wem, andererseits gelingt es mir öfter als früher, mit den anderen menschen auf eine ebene zu kommen. ich bin sicher offener, direkter, vielleicht kann man sagen "authentischer".

empfindlicher bin ich auch. generell schwanken meine stimmungen mehr und ich bin nimmer so "ausgeglichen" wie "früher".

alles liebe und einen schönen sonntag

suzie

_________________
ich suche nicht des lebens sinn, weil ich dieser selber bin (ilse kilic)


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 Betreff des Beitrags: Re: psyche und nerven in der zeit nach der behandlung
BeitragVerfasst: 19. Jul 2009 17:32 
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Suzie,

du schreibst:"empfindlicher bin ich auch. generell schwanken meine stimmungen mehr und ich bin nimmer so "ausgeglichen" wie "früher".
Das ist bei mir auch der Fall. Hatte ich vergessen zu erwähnen.

Liebe Grüße!

Kathi

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