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 Betreff des Beitrags: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 13:16 
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Lasst uns über unsere Ängste sprechen, schreiben, lasst sie uns benennen, das ist ein Wunsch von mir.

Warum? Vielleicht hilft es dir, mir, dem anderen? Vielleicht bringt uns das Aussprechen Verständnis für uns selbst, für unsere Situation, vielleicht dem anderen? Vielleicht lassen sich diese Ängste, die wir in uns tragen, oft nicht fähig sie heraus zu lassen, ein wenig mehr Freiraum, wenn wir sie benennen. Vielleicht können diese benannten Ängste dem Gegenüber, gesund, nicht von einer Diagnose wie wir sie leben betroffen, ein wenig erklären, begreiflich machen was in uns ist, warum wir uns veränderten, warum das Leben für uns oft so ganz anders läuft.

Ängste, über die ist hier häufiger zu lesen, eher diffus, so empfinde ich es. Eher sehr vorsichtig beschrieben, so, als dürfen wir sie nicht haben, nicht aussprechen, nicht zulassen?

Was passiert mit mir, wenn ich meine Ängste verdränge, meine, sie für mich behalten zu müssen? Dann stelle ich mich mit etwas sehr schwer Wiegendem in die Ecke, bleibe damit allein und dieses Handeln nimmt mir manches mal die Luft zum Atmen. Deine Ängste, meine Ängste, entstanden durch eine Diagnose, die uns häufig zwischen "Tür und Angel mal eben so" mitgeteilt wird, die haben eine Berechtigung. So auch die, sie zu benennen. Ich will versuchen einen Teil meiner Ängste zu benennen, spüre schon jetzt wie schwer ich mich damit tue....



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„Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 13:17 
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Ich habe Krebs! Das allein reicht, um eine endlose Kette an Ängsten auszulösen. Ängste davor, was noch kommen könnte, kommen wird. Es kam bisher... die Diagnose, die mich schon gleich mit Ängsten belegte, da das Wissen und Erleben um diese Erkrankung kein Zucker schlecken ist, sie auch mit der Chance auf Heilung ihre widerliche Fratze behält.

Der Verlust einer Brust, das war noch "gut" auszuhalten, weil das Hergeben zunächst die Chance auf Gesunden beinhaltete. Der Verlust an Stabilität der Knochen, durch zahllose Knochenmetastasen, und auf Grund dessen eine Einschränkung in dem, was ich tun kann, möchte, angst vor Brüchen, dem Verlust von Selbstständigkeit. Der Verlust an Kraft und Energie durch Lebermetastasen, da deren Behandlung mit viel Chemie den Körper nach unten zwingt. Der Verlust an der normalen Leberfunktion tut sicher ein Übriges. Angst davor die Symptome leben zu müssen, die eine vom Krebs zerstörte Leber mit sich bringt. Das sind die greifbaren Ängste, die ihren Anteil haben. Und dann kommen all die anderen Ängste...

da steht an erster Stelle die Angst auch noch an Hirnmetastasen zu gelangen, an 2. Stelle der Befall der Lunge. Ich könnte endlos mehr aufzählen, denn der Krebs zieht viele Register, um am Ende seinen Erfolg verzeichnen zu können. All diese vorstellbaren Visionen lähmen mich mehr oder weniger, nehmen mir Lebensmut und Freude.

Meine größte Angst ist der Verlust meiner Selbstständigkeit. Die Angst davor nicht mehr für mich allein sorgen zu können, Abhängigkeit durch Einschränkung der Körperfunktionen. Die Angst Schmerzen leben zu müssen wiegt auch schwer. Und die Angst vor dem Ende? Sie ist nicht wirklich greifbar, bei mir!?? Vielleicht blockiert durch die anderen Ängste, die jetzt relevant sind, so nach dem Motto: ein Schritt nach dem anderem, nicht vorgreifen!? Die kommen vielleicht noch dazu, später?

Ich möchte hier im Thread vieles lesen, von euch. Nur eins bitte nicht!! Nicht den so oft gelesenen, gehörten Satz.... sterben müssen wir alle, niemand weiß was morgen ist, ich, du könntest gleich vom Blitz erschlagen werden! Denn dieser Satz beinhaltet für mich ein weg schieben meiner Ängste, die nicht einfach so da sind, sondern einen berechtigten, ganz realen Grund in der Erkrankung haben. Ein klein machen der, meiner Realität, die anders ist, als bei einem Gesundem. Ja, ich kann jetzt vom Stuhl fallen und mir den Hals brechen, dann sterbe ich an diesem Vorfall. Aber diese Vision ist um so vieles entfernter als die Realität, die die Diagnose Krebs beinhaltet!

Dies sind die von mir im Moment fühlbaren Ängste, die ich benennen kann. Die unbewussten Ängste, die noch im Untergrund graben, die kommen noch dazu. Die Ängste, die ich jetzt gerade so beschrieben, raus gelassen habe, die sprangen mich beim schreiben gerade ganz heftig an.

Ich hoffe, dies ist nicht "mein" Thread, sondern wird von vielen genutzt. Würde mich freuen von euch und euren Ängsten zu lesen....

Lieben Gruß

Regina




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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 14:05 
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Dies ist ein öffentlicher Thread? Ist das Absicht? Wir haben doch schon einen im geschlossenen Bereich?

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Du hast die Wahl. Du kannst dir Sorgen machen, bis du tot umfällst. Oder du kannst es vorziehen, das bisschen Ungewissheit zu genießen. Norman Mailer


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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 17:24 
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Ja, Schnucks, das ist hier richtig, für mich. Der andere Thread ist im geschlossenem (und zusätzlich geschlossenem/Forum Ängste :wink: ) Bereich. Und ich will meine Ängste nicht (mehr) verstecken ao75

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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 17:34 
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ihr lieben!
vor kurzem las ich ein kleines kinderbuch "ente tod und tulpe", da fand ich etwas, was meine angst ausdrückt. also, der tod klettert mit der ente auf einen baum, und die ente sieht "ihren" teich ganz alleine da liegen. und sie hat angst, den teich allein zu lassen.
ich habe angst vor abschied.

von wegen dem satz: sterben müssen wir alle.
der unterschied ist, dass die gesunden menschen AUCH 90 jahre alt werden KÖNNEN, aber höchstwahrscheoinlich wird man mit metastasiertem krebs keine 90 jahre. entschuldige, dass ich das so direkt schreibe. ich selbst gehöre ja zu denen, die noch die "chance" auf 90 jahre haben.
trotzdem hat meine angst vor dem tod mit der erkenntnis, dass alle menschen sterben müssen, eher abgenommen.
um im "entenjargon" zu bleiben: auch der teich ist nicht unsterblich.
ich erlebe es so, dass viele menschen natürlich "wissen", dass sie sterben müssen - irgendwann. für uns ist das aber irgendwie plötzlich ganz real geworden.
um im "entenjargon" zu bleiben: "kommst du zu mir?", fragt die ente. "ich bin schon immer bei dir", sagte der tod, "aber du hast es nicht bemerkt."
GLÜCKLICHE ENTE!

die angst - natürlich, vor leid und schmerz.

naja und dann noch ein paar ängste, die "nur indirekt" mit krebs zu tun haben: die angst um meine netzhaut, also mein augenlicht, die angst vor kieferproblemen, die angst, dass ich mir vorwürfe machen muss, weil ich "falsch" entschieden habe (zb. brust "dranlassen", angst, dass mein partner krank wird...

liebe regina, ich denke, es werden viele hier schreiben, ängste haben wir ja mehr oder weniger alle.
natürlich sind sie immer und immer mehr oder weniger "berechtigt".
ja, was will ich sagen. ich hoffe, hm, wie könnte man sagen, auf ein gleichberechtigtes nebeneinander der ängste, auf dass sie alle gemeinsam in den keller gesperrt werden können (nicht immer, aber immer öfter).

alles liebe
suzie

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ich suche nicht des lebens sinn, weil ich dieser selber bin (ilse kilic)


Zuletzt geändert von suze2 am 23. Apr 2010 18:55, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 17:43 
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Hallo

An sich eine gute Idee,wobei ich mich sehr schwer tue meine ÄNGSTE im öffentl.Raum
darzustellen.

Oder liegt es gar daran das ich mir keine Gedanken mehr über meine Ängste machen will :sad: ...jaja...auch mich springt Sie gerade an,aber ich hüpfe zur Seite...kann will mich nicht (mehr) stellen a050 :oops: :sad: ......ich hab keine Lust mehr auf Krebs....will nix mehr davon hören,schiebe es sofort zur Seite. Was ich nicht sehe und höre und fühle ist nicht da. All das wird mich irgendwann einholen? Ja,bestimmt....das macht schon wieder Angst. BangHead

Jetzt muß ich mal in mich gehen....vielleicht stelle ich mich doch xp100x .....

Ulla...die gerade verwirrt ist und Angst hat (und einen Haufen Müll geschrieben hat)

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Du kannst das Leben nicht verlängern noch verbreitern.....Du kannst es nur vertiefen


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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 18:14 
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Hallo,
als ich Regines Gedanken zu den Ängsten gelesen habe, musste ich erst einmal nachdenken. Angst? Was bedeutet Angst für mich? Wie empfinde ich sie? Seit wann kenne ich sie? Meine Kindheit, die war, glaube ich, ohne Angst, denn ich hatte keine besonders schöne Kindheit, also kam da nie die Angst auf, etwas verlieren zu können – Mutter, Vater oder auch nur ein schönes Spielzeug. Ab meinem 16. Lebensjahr, als ich von zu Hause fortzog, ging es mir dann gut, wirklich gut. Schule, Beruf, nette Freunde und schließlich lernte ich dann meinen Mann kennen. Ab da, glaube ich, spürte ich die Angst, unterschwellig, aber sie war da; die Angst, einen lieben Menschen verlieren zu können. Aber es war keine besitzergreifende Angst, weil man sie relativ gut verdrängen konnte. Etwas größer wurde die Angst, als mein Sohn geboren wurde. Wenn ihm etwas passieren würden? Das hätte mich um den Verstand gebracht. Aber auch das ist eine Angst mit der man umgehen kann und die nicht ständig präsent ist, weil ja so viele schöne Stunden gemeinsam erlebt werden und die Angst weit in den Hintergrund gedrängt wird.
Dann bei der Diagnose Brustkrebs waren meine ersten ängstlichen Gedanken „was wird aus meinen beiden Männern“. Und dann kamen viele Ängste hinzu: Die Angst davor, dass der Krebs, nachdem ich die mühselige Behandlung mit OP, Chemo, Bestrahlung hinter mich gebracht habe, fortschreitet; die Angst vor den Schmerzen, die folgen könnten, die Angst pflegebedürftig zu sein, aber meine größte Angst ist, so glaube ich, die Einsamkeit, denn ab einem gewissen Zeitpunkt ist man dann trotz aller lieben Menschen allein. Auch ist eine Angst vorhanden von dem Unfassbaren, Unbegreiflichen, irgendwann nicht mehr hier zu sein, dass alles auf einmal aufhört - als nicht gläubiger Mensch, kann ich es nicht einordnen. Das sind jetzt meine Ängste, die ich nicht verdrängen kann. Die kommen immer wieder mal hoch, auch in Situationen, in denen ich eigentlich glücklich bin, in lustiger Runde beim Sport oder geselligem Beisammensein. „Wie lange kann ich das noch machen? ... oder „Wie lange bin ich da noch dabei?“
„Angst essen Seele auf“ hieß ein Film von Rainer Werner Fassbinder. Wie wahr!

Liebe Grüße
Edith


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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 18:50 
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Regina hat geschrieben:
Vielleicht können diese benannten Ängste dem Gegenüber, gesund, nicht von einer Diagnose wie wir sie leben betroffen, ein wenig erklären, begreiflich machen was in uns ist, warum wir uns veränderten, warum das Leben für uns oft so ganz anders läuft.


Erstmal meine ganz persönlichen Gedanken zu diesem Satz: Ich frage mich gerade, ob ich das überhaupt erklären will, erklären muß. Ich behaupte einfach mal, die "anderen" können das nicht verstehen/nachvollziehen. Wie auch [smilie=confused-smiley-013.gif] (und das ist nicht mal bös gemeint)?!

Ein schwieriges Thema und zugleich schön, daß du diesen Thread eröffnet hast. Wenn ich hier schreiben will, muß ich darüber nachdenken, meine Ängste zu lassen etc. Ich bin mir grad nicht sicher, ob ich das will :sad: .

Ich habe in erster Linie Angst vor Metastasten (schrieb ich ja heute morgen schon mal irgendwo), vor dem Verlust meiner Selbständigkeit, vor dem Verlust meiner Menschlichkeit. Ich habe Angst, meinen Sohn nicht aufwachsen zu sehen, nicht mehr bei meinem Mann sein zu können. Ich habe tierische Angst vor evtl. Schmerzen (bei den 6. Chemos habe ich schon gedacht, ich müsse sterben, so schlimm fand ich das).

Vor dem Tod ansich habe ich keine Angst. Ich weiß für mich, es geht weiter an einem anderen Ort, wo ich alle, die ich liebe und die mir wichtig sind, wiedersehe. Nur hoffe ich, diese Zeit kommt erst in ganz, ganz vielen Jahren.

Das waren erstmal meine ersten wirren Gedanken hierzu.

Mir fällt

LG Claudia

P.S. Ich würde mich ehrlich gesagt auch wohler fühlen, wenn der Thread im nicht-öffentlichen Bereich stünde xp085x

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"Geh du voran", sagte die Seele zum Körper, "denn auf mich hört 'sie' ja nicht".
"In Ordnung", sagte der Körper, "ich werde krank werden, dann hat 'sie' Zeit für dich".


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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 23. Apr 2010 20:52 
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Ich freue mich, das ihr meinen Beitrag nicht im Regen habt stehen lassen, über die schon eingetroffenen Beiträge.

suze, die kurzen Schilderungen aus dem Kinderbuch treffen ganz simple! Die Angst der Ente, den Teich allein lassen zu müssen, steht für mich für ein Loslassen, die Angst aufgeben zu müssen, was jetzt mein, das Leben ist und eigentlich noch hätte lange sein können .
Zitat:
um im "entenjargon" zu bleiben: "kommst du zu mir?", fragt die ente. "ich bin schon immer bei dir", sagte der tod, "aber du hast es nicht bemerkt."
GLÜCKLICHE ENTE!

Ja, genau das ist es. Durch die Krankheit wird man mit der Nase hinein gesteckt, in den übel riechenden Tod, der ab da eben greifbarer wird. Wir alle hatten ja vor der Erkrankung kein Unwissen darüber das jeder mal gehen muss. Durch die Krankheit bekommen wir allerdings einen viel greifbareren Vorgeschmack, gleich dem der Ente auf dem Baum, im Gespräch mit dem Tod. Und nein, du musst dich nicht entschuldigen! Denn deine, meine, unsere Ängste haben den gleichen Ursprung, wiegen vielleicht gar nicht so unterschiedlich mehr oder weniger, wenn auch am Ende die Geschichten unterschiedlich ausgehen. Wünsche dir die 90!! und noch ganz vitale 10 dazu xf15x

Ulla, ich sah keinen "Haufen Müll"! Ich las die wohl spontane Reaktion einer Ängstlichen, die eher zornig reagierte. Du, auch Claudia hinterfragt beim Benennen der Ängste den öffentlichen Raum. Ich habe es, wie schon an Kathi geschrieben, ganz bewusst hier im öffentlichen Teil eingestellt. Ich mag nicht allein bleiben, im Verborgenem, mit meinen Ängsten, meinen Sorgen. Das habe ich lange Zeit so gelebt! Mag sie nicht allein mit euch teilen, wissend um euer Verstehen. Ich mag sie hier schreiben, denn sie sind nicht allein Ängste von Regina, Ulla, Claudia und all die anderen, die sich hier einbrachten, und vielleicht noch einbringen werden. Sie stehen hier für die Ängste von so vielen, an Krebs Erkrankten! Hier lesen nicht allein Betroffene, hier finden sich auch Angehörige, Freunde, Bekannte ein. Es kennt doch jeder mindestens einen Menschen, der auch Krebs hat. Und auch diese Menschen leben Ängste durch unsere Erkrankung.
Zitat:
Ich frage mich gerade, ob ich das überhaupt erklären will, erklären muß. Ich behaupte einfach mal, die "anderen" können das nicht verstehen/nachvollziehen.


Gegenfrage, Claudia :wink: Wie sollen sie verstehen wenn wir schweigen, oder aber die Ängste nur im Keller leise besprechen, nur für uns, unter uns? Die Krankheit nicht zu haben beinhaltet nicht fehlendes Unverständnis, Einfühlungsvermögen. Und doch weiß ich ja was genau du meinst und bin da mit meinen Gedanken dir gar nicht so fern. So wie du und ich nicht wissen wie es sich mit einer anderen, andauernden Krankheit, wie zum Beispiel eine schwere körperliche Behinderung lebt, so können die mit uns lebenden Gesunden eben auch nicht wirklich wissen, fühlen was wir leben. Aber sie können sich, so wie ich und sicher auch du vorstellen, versuchen ein zu fühlen. Ich denke, das ist schon ein wenig Öffentlichkeit wert. Was meinst du?

Zitat:
aber meine größte Angst ist, so glaube ich, die Einsamkeit, denn ab einem gewissen Zeitpunkt ist man dann trotz aller lieben Menschen allein


Edith, du triffst genau die Wunde Stelle in mir! Angst ist es nicht so sehr, glaube ich, eher eine große Traurigkeit bei mir. Ich spüre immer mehr den Abstand, der sich zwischen mir und anderen auftut. Nicht, weil sie ihn suchen, sondern weil ich und meine Entwicklung nicht gegen an können! Fast ist mir so, als suche ich diesen Abstand, somit die Einsamkeit? Ja Claudia, da trifft dann wieder der von dir zitierte Satz... manch mal bin ich lieber allein, als erklären zu müssen, Fragen zu beantworten, auf die ich oft nicht antworten will, aber auch so manches mal nicht antworten kann.

Was möchte ich eigentlich? Ich möchte verstanden werden, mit meinen Ängsten, die mich einschränken!! Sie werden nie wieder gehen, mich bis zum Ende begleiten. Ich möchte sie im täglichem zusammen leben nicht ausklammern müssen. Krebs ist nicht nur der Befall körperlicher Teile, Organe! Krebs ist der Angriff auf unser Fundament, frisst sich in die Seele!

Regina

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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 24. Apr 2010 01:21 
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Ich könnte jetzt ganz viel aufführen - und säße in Stunden noch hier, weil sich der Baum in immer weitere Äste und Ästchen verzweigt.

Eine meiner Ängste (Hirnmetastasen) ist die Veränderung der Persönlichkeit. Kontrollverlust. Für meine liebsten Menschen zu einer vielleicht bösartigen, unliebenswerten Person zu werden. Teile meiner Persönlichkeit verlieren.

Ich habe Angst, mich zu verlieren. Verloren zu gehen. Nichts bleibt. Irgend eine gelernte Stimme in mir sagt: Was Wert hat, besteht und bleibt. Also bin ich im Fall des Falles und jetzt schon in den Ängsten eine ohne Wert.
(ich will jetzt nur aufführen, nicht diskutieren und entkräften. Manche Ängste sind eben unerklärlich und vielleicht irreal.)

Wenn ich in dem Entenbild bleibe - obwohl es nicht auf mich übertragbar ist, weil nach dem Tod nichts von mir Ente bleibt, das Ausschau halten oder reflektieren könnte -, also mal gesetzt den Fall, das ginge als theoretisches Exempel, dass ich Ente da (gestorben) mit dem Tod im Baum sitze (obwohl ich an keine Auferstehung oder anderweitige Wesensfortsetzung glaube), also nehmen wir an, ich säße dort im Baum: dann blickte ich auf MICH TOTE ENTE am Teich und wäre bitterlich traurig über den Verlust. Verlust meiner selbst. Über das Nichts. Und das Abgeschnittensein von all dem Lebendigen und Guten in mir, das ich mir so mühselig habe erwerben müssen, an dem ich hänge, das ich nicht hergeben will. Ich will mit mir im Leben sein und eintauchen können mit den Händen wie in einen Fluss und von hier oder dort etwas nehmen. Und andererseits eine kleine, winzigkleine Wichtigkeit für das Leben haben. Der schöngedachte Tod mit neunzig, vorher Jahre auf der Gartenbank in die untergehende Sonne sehend - der ist akzeptabel, auch am Krückstock. Denn dieser (lebensspäte) Tod respektierte mich.

Und mir wäre auch wohler im geschlossenen Geviert.


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