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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 5. Aug 2010 21:53 

Zitat:
So langsam verliere ich meine bisher gelebte Gelassenheit, meine Ruhe, die ich trotz alle dem haben konnte, immer wieder zwischen den Phasen der Ängstlichkeit, Traurigkeit. Immer öfter spüre, vernehme ich meine innere Unruhe, immer öfter gehen die Gedanken zu etwas, von dem ich nicht weiß, wie es sein wird. Von dem niemand weiß, wie es sein wird, da alle die es hinter sich haben nicht mehr berichten können! Wie wird es kurz vorher sein? Wie der entscheidende Moment? Wie danach?

Alles im Leben können wir ein Stück weit kontrollieren, aber bei dem Ereignis Tod hört es auf mit Kontrolle, Selbstkontrolle, mit Wissen darüber. Oh Mann, ich Gott verdammter Scheiß Realist! [smilie=embarassed.gif] Was wird schlimmer-, besser sein? Das Jetzt, oder das Andere, das Unbekannte? Ist es besser mit der verrinnenden Zeit zu leben, oder mit der endgültig verronnenen Zeit "?zeitlos?" zu sein? Will ich darüber noch lange grübeln müssen, oder hat es mehr, wenn es endlich vorbei ist? Muss, will ich dankbar sein für die Tage, die noch kommen? Sind sie ein Geschenk, oder sind sie der Horror schlecht hin?


Ich fange mal hinten an: wem willst du dankbar sein? Und warum?
Und ob deine Tage ein Geschenk sind oder eher Horror wirst du erst erfahren wenn alle Tage vorbei sind. Dann kannst du zurückblicken und Bilanz ziehen.

Wenn es in die Kategorie Horror gehörte, dann ist es wohl besser, wenn es endlich vorbei gewesen ist. Andererseits: wenn du deine Tage von nun an nur mit grübeln verbringst - gehören solche Tage nicht auch eher in die Kategorie Horror?

Dir fehlt etwas, was "wir" noch ungehindert tun können: Pläne machen für die Zukunft, egal ob nähere oder fernere Zukunft. Dieses Pläneschmieden ist so selbstverständlich und hört auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie dem Kauf von Wintergarderobe nicht auf. Selbst beim Gang durch den Garten drängt sich dir wahrscheinlich der Gedanke auf, dass du vielleicht grad die letzte Blüte erlebst. Leider heißt das auch, dass alle gutgemeinten Ratschläge a la denk nicht dran nicht funktionieren können.

Ich persönlich glaube ja an das große schwarze Nichts. Für mich als Hinterbliebene hat das den Nachteil, mich an keine Hoffnung klammern zu können. Ich hoffe, dass ich als Sterbende daraus einen Vorteil ziehen kann, weil ich ja anderseits keinerlei Vorkehrungen wie artiges Leben treffen muss, um hinterher keine Nachteile zu haben. Außerdem kann es ja nichts schlimmeres als Nichts geben.
Ich mag ja Queen. Freddie Mercury muss es wohl so ähnlich wie ich gehalten haben, denn in einem seiner letzten Lieder heißt es am Schluss
Zitat:
Sometimes I feel so sad, so sad, so bad
But no-one's gonna stop me now, no-one
It's hopeless - so hopeless to even try


Den letzten Satz übersetze ich so: es entbehrt zwar jeder Hoffnung (dass es etwas wundervolles nach dem Tod gibt), aber wenn ich nichts erwarte und den Jackpot bekomme, dass es einen Versuch wert ist. So rein nach dem Motto- du hast keine Chance- nutze sie.

Wie du es drehst auch wendest, du hast noch eine dir unbekannte Zeitspanne. Du kannst sie vergrübeln. Wann immer es dir möglich ist, tu es nicht.

so und bevor ich noch eine Stunde über meinen Post grübele, schicke ich ihn ab und hoffe wenigstens ein bisschen die richtigen Worte getroffen zu haben.


Zuletzt geändert von Richi am 5. Aug 2010 23:19, insgesamt 1-mal geändert.

  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 5. Aug 2010 22:41 
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Ich mache es kurz und knapp:

Hör auf zu grübeln, du (und auch die anderen) kannst es eh nicht ändern. Genieße jeden Tag, so gut es geht und mache das Beste daraus.

Ob du das jetzt lesen wolltest [smilie=confused-smiley-013.gif] ?

Drückende Grüße Claudia

P.S. Wenn du mich fragst, ist hinter der nächsten Tür etwas sehr positives und tröstliches.

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"Geh du voran", sagte die Seele zum Körper, "denn auf mich hört 'sie' ja nicht".
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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 5. Aug 2010 23:04 

liebe claudia,

grübeln und nachdenken gehört, meiner meinung nach, auf jeden fall dazu und ist auch wichtig.
ganz wichtig finde ich aber, dass man nicht darin versinkt / ertrinkt.

und letztendlich hat wohl auch hier, jeder seine ganz eigene art damit umzugehen, bzw. muß selbst herausfinden wie man diesen weg am besten geht.
was für die eine gut ist, ist für eine andere völlig ungeeignet.

ich finde so sätze, wie `mach dies` oder ´lass das´, nicht wirklich hilfreich, man kann nur seine eigene art bekannt machen und jeder muß das für sich richtige, dann selbst raussuchen und erfahren.

ich finde es wichtig, dass die ganz individuellen ängste ausgesprochen werden dürfen, ohne dafür wertungen zu bekommen. niemand sollte lob oder tadel für die individuelle art damit klar zu kommen, erhalten.

wir sind im gesunden und normalen alltag völlig unterschiedlich. natürlich sind wir das auch wenn es ums sterben geht und das muß auch so repektiert werden.
ich habe das in sehr vielen jahren als krankenschwester im umgang mit patienten erlebt und da muß man sich selbst und seine eigene meinung dazu, völlig raus nehmen.

mit sterben und tod umzugehen ist extrem unterschiedlich und von ganz ganz vielen äußeren umständen, dem lebenslauf, glauben /religion, den lebenserfahrungen... etc. abhängig.

und sorry, aber den spruch "hört auf zu grübeln" finde ich doch recht oberflächlich und nicht hilfreich.

ich auf jeden fall finde es hilfreich zu lesen, wie andere in ähnlicher situation damit umgehen.
zu lesen welche ängste sie haben und über was sie nachdenken, was sie klären /ordnen, was sie geniessen........... auch wenn es nicht immer meiner art des umgangs entspricht, ist es doch hilfreich für mich.


lieben gruss aus dem niesel-hamburg [smilie=bluerant.gif]


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 6. Aug 2010 07:04 
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Hallo Sue.

Ich habe das so "lax" geschrieben, weil ich Regina persönlich kenne und denke, sie weiß, wie es von wem es kommt und wie es gemeint ist. Mehr mag ich dazu jetzt nicht schreiben. Wenn Regina sich "angegriffen" fühlt, wird sie es mitteilen.

Claudia

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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 6. Aug 2010 11:47 
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Hallo Mädels,

wenn ich hier im Forum über meine Befindlichkeiten schreibe muss ich mit Reaktionen rechnen, völlig klar. Und völlig klar ist mir da auch, dass es sicher nicht einfach ist darauf zu reagieren, und doch aber der Wunsch besteht zu reagieren. Und so verstehe ich auch zum Teil eure Texte, sie möchten trösten, sie möchten etwas ermutigendes rüber bringen. Und ich finde in ihnen auch den Ansatz einer Hilflosigkeit, mit der man einer solchen Sache gegenüber steht...
Zitat:
eigentlich habe ich vor dem sterben selbst keine angst. ich habe aber angst, dass das leben aufhört. ich will weiterhin fühlen und denken....

Exakt, so ist es!

Und während ich das schreibe kommt da wieder das Wort loslassen in den Vordergrund. Loslassen muss man oft im Leben, so auch das Leben selbst. Schon klar, niemand ist für ewig! Aber genau da beist sich auch der Hund in den Schwanz. Loslassen beinhaltet sehr viel. Abstand nehmen, Verantwortlichkeit zurück nehmen, abgrenzen, für Bestimmtes nicht mehr zuständig, empfänglich zu sein, sich nicht mehr zuständig fühlen, etwas ein Stück weit auf-, abgeben und, und, und. Dies über eine unbestimmten Zeitspanne zu leben, hin zum Tod, empfinde ich als sehr, sehr schwer. Genau dies bringt mir sehr, sehr ambivalente Gefühle, fordert sehr viel Kraft, und macht eben oft auch einfach "nur" traurig. Da trifft das Beispiel, die Vermutung von Richi sehr gut...
Zitat:
Selbst beim Gang durch den Garten drängt sich dir wahrscheinlich der Gedanke auf, dass du vielleicht grad die letzte Blüte erlebst. Leider heißt das auch, dass alle gutgemeinten Ratschläge a la denk nicht dran nicht funktionieren können.

Meinen Garten habe ich immer geliebt, ihn gestaltet, viel Zeit investiert, gerne Zeit investiert, meine Ruheoase, Abschalten können, während ich da am ackern war. Aus körperlichen Gründen musste ich diesen Part schon vor langer Zeit abgeben. Schon gleich kam das Gefühl auf, dass dieser Garten nicht mehr richtig meiner ist, nicht mehr diese Verbundenheit mit mir trägt. Also schon ein Stück losgelassen, mit einem Verlustgefühl. Und im Verlauf, dem Näher kommen der Endlichkeit tut es inzwischen richtig weh zu ahnen das ich diese Blüte der wunderschönen Rose im nächsten Jahr nicht mehr erleben könnte. Folge davon, ich "ignoriere" diese Rose ein Stück weit, damit es nicht so weh tut. Die Rose steht hier nur als ein Beispiel, derlei gibt es unendlich vieles. Ganz intensiv erlebe ich es mit diesem Sommer. So sehr ersehnt, um nun teilweise zu erleben, dass ich mich auch vor ihm "verstecke," nicht spüren, fühlen zu müssen das es der letzte sein könnte.

Claudia, du liest, es ist fast unmöglich mich aus diesem "Grübeln," diesen Empfindungen heraus zu nehmen. Täte ich es, wäre es schon ein Stück weit wie....!

Natürlich ist es nicht immer so, nicht 24 Stunden am Tag, das Vergessen dieser Kacke Krankheit funktioniert noch. Aber immer öfter eben nicht mehr. Loslassen??

Liebe Amelie, nein, verletzt hast du mich nicht. Ich räumte ja schon gleich in meiner Reaktion ein das ich da vielleicht auch übersensibel reagiere. Und vielleicht bringt dir dieser neue Text von mir ein wenig Erklärung für diese Reaktion.

Einen lieben Gruß euch allen und ein Dank für eure Gedanken und das ihr mich ein Stück weit begleitet.

Regina

_________________
„Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben.“

Marcus Aurelius

wolkengedanken.de


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 Betreff des Beitrags: Re: Ängste benennen...
BeitragVerfasst: 6. Aug 2010 20:54 
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Liebe Regina und Ihr Anderen,
Ich wollte dir eigentlich ein klein bißchen Hoffnung geben. Vielleicht scheint dir das wie Hohn und in deine Situation kann ich mich natürlich nicht hineinversetzen...
Aber es ist einfach so, dass ich schon so viele verrückte Sachen erlebt habe; Pat., die eigentlich tot sein müßten, laufen mir über den Weg / Aufgebene besiegen den Krebs trotz Metastasen (ich keine 3). Sicherlich sind diese in der Minderzahl, aber ich dachte in meiner Naivität, dass dir /euch etwas Hoffnung gut tut.

Auch ich habe Angst, obwohl ich als geheilt gelte (wenn ich davon ausgehen darf, dass mein Gyn recht hat und die Knoten in der gesunden Seite wohl gutartig sind; mehr erfahre ich am im MRT am 16.ten). Es mag mich vielleicht nicht so unvermittelt treffen, wie viele andere hier, aber ich denke auch ans Sterben.... kann es schlecht in Worte fassen.
Und natürlich hätte ich auch Angst, wenn wieder und immer wieder was kommt. Mir würde es ähnlich gehen: nicht mit dem Leben aufhören zu wollen. Gerade auch, weil ich durch die Krankheit Einiges ändere und das Gefühl habe, jetzt erst richtig anzufangen. Und natürlich sind da noch meine Kinder, für die ich gerne noch länger Vorbild / Bezugsperson / Kämpferin sein möchte. Denn von meinem Mann kann ich da leider nicht viel erwarten, die Beziehung ist im Eimer und....., ach jammern bringt ja auch nichts...

Ich schicke euch meine Sympathie und viel Energie

Einen schönen Abend noch


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